SchlossBurg2

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Uhrengiebel. Neben dem Batterieturm steht ein Glockenturm. Er besitzt einen zweigeschossigen Bruchsteinunterbau, auf dem ein offenes Glockengeschoss aus Holz sitzt. Seine drei Glocken läuten einmal täglich. Durch eine Mauer und das Mitteltor ist der Glockenturm mit der Schlossterrasse verbunden, die dem Palas westlich vorgelagert ist. Sie wird heute vom Schlossrestaurant genutzt. Zu ihr führen 1977[95] und 1988[94] erbaute Freitreppen hinauf. An ihrer Nordwest-Ecke steht auf einem hohen Rechtecksockel ein Reiterstandbild Engelberts von Köln. Die Bronzeskulptur ist eine Stiftung des aus Barmen stammenden Geheimen Kommerzienrats Max Albert Molineus und wurde 1925 von dem Bildhauer Paul Wynand geschaffen.[94] Die Einweihung des Engelbert-Denkmals fand 1929 statt.

Im nördlichen Bereich der einstigen Vorburg steht die sogenannte Nordterrasse. An ihrer Nord- und Westseite finden sich im Obergeschoss von Säulenpaaren getragene Arkaden, die Ende des 19. Jahrhunderts als Aussichtsmöglichkeit eingerichtet wurden. Dort, wo das heutige Besucherzentrum im ehemaligen Schulhaus aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts steht, verlief früher die Vorburgmauer. Das Gebäude steht deshalb nur zum Teil im Bereich der mittelalterlichen Vorburg, sein Westteil befindet sich im Bereich der Burgfreiheit.

Kernburg

Die Kernburg ist an ihrer Angriffsseite im Osten durch eine 17 Meter[96] breite, mehrgeschossige Schildmauer geschützt, vor der ein 14,5 Meter[97] breiter und 6,2 Meter[97] tiefer Burggraben lag. Vor ihrem Wiederaufbau war von der Schildmauer nur noch ein 2,70 Meter hoher Rest übrig.[98] Ihr schließt sich nördlich und südlich die Ringmauer der Kernburg an, die innere Ringmauer genannt wird. Sie stammte ursprünglich von der ersten Bauphase der Burg im 12. Jahrhundert, wurde aber zwischen 1888 und 1902 neu aufgemauert,[94] sodass von der Originalsubstanz nur geringe Reste in den heutigen Fundamenten vorhanden sind. Beim Wiederaufbau ließ der Schlossbauverein sie mit einem umlaufenden, im Westen und Nordosten nach außen vorkragenden Wehrgang ausstatten. Im Norden besitzt die innere Ringmauer eine Dicke von 1,65 Metern, an der Südostseite ist sie 1,8 Meter dick.[99] An der Ostseite findet sich außen ein Aborterker, der als Heymlich Gemach bezeichnet wird. Die Nordwestecke der inneren Ringmauer wird durch den achteckigen Diebsturm markiert. Er trägt seinen Namen, weil er bis in das 19. Jahrhundert als Gefängnis für Diebe und sonstige Verurteilte gedient haben soll.[100] Der Turm besitzt im mittelalterlichen Erdgeschoss ein Kuppelgewölbe, während seine beiden Obergeschosse aus dem 15. Jahrhundert mit flachen Balkendecken ausgestattet sind.[99] Als Dach besitzt er einen achtseitigen Helm. Der durch innere Ringmauer und Randbebauung gebildete Burghof ist durch eine Mauer mit Gittertor in einen nördlichen und einen südlichen Teil getrennt. Im Nordteil befindet sich der über 30 Meter[101] tiefe Burgbrunnen.

Der sogenannte Palas steht in der südwestlichen Ecke der Kernburg und besteht aus drei Teilen: einem sechsachsigen Saalbau im Westen, dem im rechten Winkel zum Palas stehenden Kapellenflügel im Süden und dem Kemenatenbau (kurz Kemenate), der beide Gebäudetrakte miteinander verbindet. Das zweigeschossige Gebäude wird auch Engelbertsbau genannt[102] und hat eine Grundfläche von 700 m².[50] Im Erdgeschoss besitzt er Kreuzstockfenster mit Tuffsteinrahmung,[103] deren flache Segmentbögen nach Originalbefund in spätgotischen Formen rekonstruiert wurden. Im Obergeschoss zeigen sich Spitzbogenfenster, welche die Formen des 13. Jahrhunderts imitieren. Der Kapellenflügel ist ebenfalls zweigeschossig und wurde ohne historisches Vorbild Ende des 19. Jahrhunderts gebaut. Sein Erdgeschoss ist durch die Küche des Schlossrestaurants belegt und weist Biforien (Zwillingsfenster) auf. Die Spitzbogenfenster im Obergeschoss deuten auf die dahinterliegende, namensgebende Kapelle der Burg. Zum Haupteingang, der im Winkel von Kapellenflügel und Saalbau liegt, führt eine Freitreppe mit offenen Arkaden in spätromanischen Formen hinauf. Zur Linken steht an ihrem Fuß eine Statue des Grafen Adolf I. von Berg, die ein Werk des Bildhauers Frédéric Coubillier ist. In ihrem Sockel findet sich die Jahreszahl 1902. An der Nordseite des Palas schließt sich der dreigeschossige innere Torbau an. Ausweislich einer Jahreszahl in seinem Torbogen stammt er ursprünglich aus dem Jahr 1528. In seinem Dachgeschoss wurde beim Wiederaufbau die Wohnung des Hausmeisters eingerichtet.[104] Die oberen Stockwerke des Torbaus sind durch einen schlanken Treppenturm mit Wendeltreppe erreichbar.

Die Fundamente des etwa 14 m × 11 m[105] messenden Bergfrieds stammen noch aus der ersten Bauphase der Burg im 12. Jahrhundert.[3] Der sechsgeschossige Wohn- und Wehrturm wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Anlehnung an romanische Vorbilder aus der Zeit um 1130 wiedererrichtet. Daher rühren auch seine romanisierenden Zwillingsfenster. Inklusive flachem Walmdach ist er heute etwa 32 Meter hoch.[52] Vom obersten Geschoss mit seinen drei hölzernen Wehrerkern hat der Besucher einen guten Weitblick, der bis nach Remscheid reicht. Die Wehrerker sind der heutige Ersatz für die einst wohl vorhandene, umlaufende Balustrade aus Holz.[106] Der Turm ist durch eine überdachte Holzbrücke mit der Schildmauer und dem dortigen Wehrgang verbunden. Im Mittelalter war sie der einzige Zugang in den Turm.[107] Heute gibt es an seiner Westseite noch einen zusätzlichen Eingang in das Erdgeschoss. Über dessen rundbogigem Tor findet sich eine Inschriftentafel aus Sandstein mit Daten zur Geschichte des Bergfrieds. Früher war das heute als Verlies bezeichnete Erdgeschoss nur durch ein Loch aus dem darüberliegenden Stockwerk zu erreichen und diente als Lager für Steinkugeln, die im Falle eines Angriffs von den Verteidigern aus den oberen Geschossen auf die Angreifer geschleudert wurden. Bis zu 12.000 Tonnen[108] Steine konnten im Erdgeschoss gelagert werden. Vom ersten Obergeschoss führen Treppen in den bis zu vier Meter[105] dicken Außenmauern in die oberen Etagen.

Innenräume

Bei der Aufteilung und Gestaltung der historischen Innenräume im Palas konnte Gerhard August Fischer nicht auf überlieferte Abbildungen oder ergrabene Befunde zurückgreifen. Da der Palas im Erdgeschoss noch teilweise erhalten war, übertrug er dessen Raumaufteilung auf das Obergeschoss, das er mit RittersaalKemenate und Burgkapelle zum Hauptgeschoss bestimmte. Die Inneneinrichtung der Räume plante er nach Vergleichsobjekten.

Von der Freitreppe im Burghof gelangt der Besucher in den Ahnensaal. Dieser Raum dient als Vestibül für Rittersaal sowie Kemenate und erhielt seinen Namen nach seiner Wandbemalung. Sie stammt von dem an der Kunstakademie Düsseldorf lehrenden Adolf Schill unter der Mitarbeit von J. Osten und wurde in der Zeit von 1906 bis 1908 angebracht.[109][110] Sie zeigt den Stammbaum der Grafen und Herzöge von Jülich, Kleve und Berg; von Adam und Eva bis zu Kaiser Wilhelm II. Der Fußboden des Ahnensaals ist mit Platten aus Steinzeug belegt, seine Spitzbogenfenster besitzen eine Bleiverglasung.

Vom Ahnensaal ist der 22 m × 13 m[111] große Rittersaal erreichbar. Er besitzt eine Reihe von vier zentralen Säulen, die auf achteckigen Basen stehen und den langen Mittelbalken der Decke tragen. Ihre Dekoration besteht aus wulstigen Schaftringen und Kapitellen mit Blattmotiven. Die spitzbogigen Fensternischen des Raums sind als Sitznischen ausgeführt, die von jeweils zwei schmalen Säulen flankiert werden. Die Nischenwände sind mit Ornamenten im Stil der Gotik verziert. Die Bleiverglasungen der Fenster zeigen Wappen der zum bergischen Herrschaftsgebiet gehörenden Städte.[112] Der wuchtige Kamin an der Ostwand des Saals besitzt auf seiner Haube ein gusseisernes Wappen der Familie von Berg. Über der Holzvertäfelung an den Wänden finden sich historisierende Wandmalereien, die zwischen 1898 und 1904[110] in Freskotechnik angebracht wurden. Sie zeigen Szenen aus der bergischen Geschichte, wie zum Beispiel die Schlacht von Worringen 1288 oder die Kinderverlobung von 1496, und sind ein Werk des zur Düsseldorfer Malerschule zählenden Claus Meyer, der dabei von Hermann Huisken unterstützt wurde.[113]

Eine Tür in der Südwand der Ahnengalerie führt in die Kemenate, die auch Grafensaal genannt wird.[109] Ihr Fußboden ist mit Eichenholzparkett belegt.[114] Ein Bündel von vier Säulen trägt eine quer durch den Raum verlaufende Bogenstellung, deren Lage die mittelalterliche Außenmauer des Gebäudes markiert. Wie der Rittersaal besitzt auch die Kemenate eine Wandvertäfelung, über der historisierende Wandmalereien angebracht sind. Sie stammen von Johann Peter Theodor Janssen und zeigen Szenen des höfischen Lebens, insbesondere von weiblichen Mitgliedern des Hofes. In den Fensterlaibungen finden sich Medaillons in Kasein-Grisaille-Technik mit Darstellungen eines Ritters und seiner Partnerin.

Die neugotische Burgkapelle hat in ihrer Gestaltung kein historisch verbürgtes Vorbild, es wurde aber das Patrozinium des heiligen Pankratius der nicht lokalisierbaren mittelalterlichen Kapelle auf den Neubau übertragen. Dieser ist ein dreijochiger Saalbau mit Kreuzgratgewölbe und kleiner, eingezogener Apsis mit Dreiachtel-Schluss. Sein Fußbodenbelag besteht aus Platten, die aus Blaustein und Kalkstein gefertigt sind.[109] Das Glas der drei Fenster mit Maßwerk zeigt Rosenmotive. Der im Jugendstil gemalte Bilderzyklus an den Wänden stammt aus der Zeit von 1898 bis 1902[110] und ist ein Werk von Willy Spatz. Er stellt die Ausbreitung des Christentums dar. Zur Ausstattung gehören ein barockes Chorgestühl aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts und ein Kronleuchter aus dem Jahr 1787.[109] Beides stammt aus der evangelischen Stadtkirche von Lennep. Auffälligstes Ausstattungsstück der Kapelle ist eine über zwei Meter[115] hohe Holzstatue der Erzengels Michael, die eine Kopie der Figur von Meister Tilman in der Kölner Kirche St. Andreas ist. Sie wurde 1902 durch August von der Heydt gestiftet.[110]

Die Geschosse des Bergfrieds werden jeweils von einem einzigen großen Raum mit Kamin eingenommen. Derjenige im Erdgeschoss war bis 2016 als Verlies gestaltet und ist 8,10 m × 7,6 m[99] groß. Die Decken der Räume werden durch große Mittelstützen getragen, deren Gestaltung in den verschiedenen Geschossen variiert. Es gibt Vierkantpfeiler sowie romanisierende und gekuppelte Säulen.

                                                                                      Sluminsky-Terminierungen

Heutige Nutzung

Schloss Burg zählt zu den populärsten und meistbesuchten Kulturstätten im Rheinland.[116] Mit rund 250.000 Menschen, die jährlich die Anlage besuchen,[117] ist es ein touristischer Publikumsmagnet im Bergischen Land und zugleich ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für die Region. Die historischen Räume können für private Veranstaltungen oder auch für Vorträge und Lesungen gemietet werden. Kemenate und Burgkapelle stehen für Trauungen zur Verfügung. In der Kapelle finden um die 100 Hochzeiten pro Jahr statt.[118] Bis auf wenige Ausnahmen ist die Anlage das ganze Jahr über täglich geöffnet. Sie kann auf eigene Faust oder im Rahmen von Führungen besichtigt werden.

Bergisches Museum

 
Waffen in der Rüstkammer

Das Bergische Museum ist in erster Linie ein Regionalmuseum, dessen Ausstellungsschwerpunkte Bezug zum Bergischen Land und Schloss Burg haben. Die sogenannten historischen Räume im ersten Obergeschoss des Saalbaus vermitteln dabei nicht nur ein Stück Wiederaufbaugeschichte der Burganlage, sondern durch die von Mitgliedern der Düsseldorfer Malerschule angefertigten Historienmalereien an den Wänden auch wichtige Stationen in der Geschichte des Bergischen Landes sowie des bergischen Herrscherhauses.

In den Museumsräumen im Dachgeschoss befindet sich die Rüstkammer mit Waffen, Harnischen, Schilden und Kettenhemden aus einem Zeitraum vom 11. bis 13. Jahrhundert.[119] Ein weiterer Raum befasst sich mit der höfischen Jagd und zeigt neben Tierexponaten Gewehre und Waffen, die zur Jagd verwendet wurden. Außerdem sind verschiedene Modelle zu sehen, darunter ein Modell der gesamten Burganlage, ein Modell der in Bau befindlichen ersten Burg und die in Miniatur nachgestellte Schlacht von Worringen.

 
Dröppelminnas in der Ausstellung

Weitere Räume befassen sich mit der bergischen Wohnkultur des 17. bis 19. Jahrhunderts und zeigen Möbel sowie Einrichtungsgegenstände aus dem Bergischen Land. Dabei sind unter anderem viele unterschiedliche Modelle der typischen bergischen Dröppelminna zu sehen, einer barocken Kaffeekanne, die meist aus Zinn als Ersatz für das teure Silber bestand.[120] Zu den besonderen Exponaten des Museums zählen unter anderem die folgenden drei Stücke:

Neben dem Palas wird auch der Bergfried vom Bergischen Museum genutzt. Nach zweijährigen Sanierungs- und Umbaumaßnahmen wurde er am 7. Juli 2018 offiziell wiedereröffnet.[124] Das ehemalige Verlies im Erdgeschoss dient als erste Station für Schlossbesucher, welche die Anlage mittels Rundgang erkunden wollen. Die übrigen fünf Etagen informieren über wichtige Ereignisse aus der Geschichte des Schlosses und der Grafen von Berg sowie über weltliche Herrschaft im Mittelalter.

Gedenkstätte des Deutschen Ostens

 

 
Gedenkstätte des Deutschen Ostens

Im Batterieturm ist seit 1951 die Gedenkstätte des Deutschen Ostens untergebracht. Eine Bronzetafel am Eingang weist auf die Geschichte und Bedeutung der Gedenkstätte hin. Sie ist durchgehend geöffnet, und der Eintritt ist frei. Im 18 Meter[125] hohen Innenraum des Turms steht das am 2. Juni 1962[69] eingeweihte Mahnmal der Vertreibung, eine steinerne Gruppenplastik von Kurt Schwerdtfeger. Sie zeigt eine Flüchtlingsgruppe in Lebensgröße. In Vitrinen sind Erinnerungsstücke zu den Themen deutscher Osten und Vertreibung ausgestellt. Zwei von Robert Bednorz gefertigte Bronzebüsten zeigen Immanuel Kant und Joseph von Eichendorff, die beispielhaft die geistige Welt des deutschen Ostens repräsentieren. Sie werden durch eine dritte Büste, die Ernst Moritz Arndt darstellt, komplettiert. Sie kam erst im September 1996 in die Gedenkstätte und ist der Ersatz für eine Vorgängerin, die im Januar 1995 aufgestellt und im Mai desselben Jahres von Unbekannten gestohlen worden war.[69] Treppen in der Mauerstärke führen auf einen Umgang, von dem der benachbarte Glockenturm erreichbar ist. Er trägt drei Glocken vom Hamburger Glockenfriedhof. Zwei von ihnen stammen ursprünglich aus der Jakobuskirche in Breslau, während die dritte, silberne Glocke früher im Königsberger Dom hing.[126] Sie trägt die Inschrift „Anno Domini 1736“.[126] Die Glocken läuten täglich um 11:30 Uhr und erinnern an das Schicksal von Kriegsvertriebenen in aller Welt.

Gastronomie und Kunsthandwerker

 
Eines der zahlreichen Cafés in der ehemaligen Freiheit

Auf dem Gelände der ehemaligen Freiheit haben sich zahlreiche Cafés und Gastronomiebetriebe angesiedelt. Dort kann man – ebenso wie in der nahen ortsansässigen Gastronomie – die Burger Brezel kaufen oder eine Bergische Kaffeetafel genießen. Zudem gibt es im Zwingerhof eine Burgschenke und einen Weinausschank. Ältester Bewirtungsbetrieb auf dem Burggelände ist das Schlossrestaurant im Erdgeschoss des Palas. Dieses gab es bereits am Ende des 19. Jahrhunderts.

In den Gebäuden der Vorburg und Freiheit haben auch zahlreiche Handwerker ein Domizil gefunden. Sie bieten Artikel des Kunstgewerbes wie Silberschmuck, Keramik oder Porzellan zum Kauf an. Daneben können Besucher Bürsten, Besen, Holzspielzeug, Bücher und Trödel erwerben.

Veranstaltungen

Auf Schloss Burg finden zahlreiche Veranstaltungen statt; viele von ihnen alljährlich und schon seit langer Zeit. Dazu zählen unter anderem der Ostermarkt, die Ritterspiele, der historische Mittelaltermarkt und der Adventsbasar. Ein besonderer Höhepunkt ist jedes Jahr der Internationale Kunsthandwerkermarkt mit über 150 Ausstellern aus ganz Europa, die jedes Mal rund 30.000 Besucher anziehen.[127] Die Veranstaltungen finden sowohl in den Innenräumen als auch im Burghof und im Vorburgbereich statt. Jährlich ist Schloss Burg auch Veranstaltungsort für Kulturveranstaltungen wie Lesungen, Konzerte und Theateraufführungen. Bis 2013 hatte das Burger Papiertheater einen eigenen Vorführraum im ehemaligen Schulhaus, in dem heute das Besucherzentrum untergebracht ist,[128] und die Züchter der bergischen Kräher organisierten mehrmals das Jahrhunderte alte Wettkrähen auf dem Burggelände. Hinzu kommen Veranstaltungen der Landsmannschaften Pommerns und Ostpreußens zugunsten der Gedenkstätte im Batterieturm.

Schloss Burg in Kunst und Kultur

Innerhalb der Burgenrenaissance zählt die Rekonstruktion von Schloss Burg zu den späten Wiederaufbauprojekten und ist damit zugleich ein Kind der Geisteshaltung jener Zeit, als der Wiederaufbau von Burgen im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert auch Identifikationsobjekte für ein gestärktes oder zu stärkendes Regionalbewusstsein lieferte.[129] Nicht ohne Grund wurde die Anlage auch als „bergisches Nationaldenkmal“ und „rheinische Wartburg“ bezeichnet.[130] Sie reihte sich damit nahtlos in die wilhelminische Familie vaterländischer Bauten ein.[130] Noch die erste Anfrage Gerhard August Fischers, Erhaltungsmaßnahmen an der Anlage durchführen zu dürfen, wurde vom zuständigen königlich preußischen Baurat zunächst abgelehnt, weil ein älteres Gutachten die Anlage in das 16. Jahrhundert datierte und damit für zu jung bzw. im vaterländischen Sinne für nicht erhaltenswert einstufte.[131] Nach Abschluss der Arbeiten gehörte Schloss Burg zu den aufwändigsten Wiederaufbauten in der damaligen Rheinprovinz und war Vorbild sowie Anstoß zu gleichartigen Nachfolgeprojekten wie zum Beispiel dem Wiederaufbau von Burg Altena.[132][131] Das Ergebnis war eine Mischung aus reiner Fiktion und Wiederherstellung von Überliefertem, das durch vorhandene Original-Bausubstanz, Grabungen und die Ploennies-Darstellung abgesichert war. Anzumerken ist dabei, dass die Zeichnung des Kartografen Ploennies als Vorlage nicht unumstritten ist, denn zu der Zeit, als die Darstellung entstand, war das Schloss schon zu großen Teilen eine Ruine, was Ploenniesʼ Werk nicht erkennen lässt.[133] Fischers Pläne verbanden also denkmalpflegerische Ansätze mit phantasievollen Eigenkreationen und standen dabei in der Tradition der Wiederaufbauten wie sie zum Beispiel auch Bodo Ebhardt durchführte. Schloss Burg ist somit als Mischung aus historischer Treue mit wissenschaftlichem Anspruch und romantischen sowie historisierenden Neuzutaten ein Beispiel für die damals noch sehr junge Disziplin der Denkmalpflege.[134] Diese arbeitete seinerzeit nach dem Grundsatz, dass ein Wiederaufbau – und damit einhergehend die „Unter-Dach-Bringung“ – der beste Schutz für ein gefährdetes Baudenkmal sei.[135]

Das Konzept der Darstellung der Anlage als „bergisches Nationaldenkmal“ war erfolgreich. Von Beginn an hatte sie viele Besucher. Allein in den ersten sechs Wochen nach der feierlichen Einweihung des inneren Torbaus im August 1890 kamen trotz des damaligen Eintrittspreises von 20 Pfennigen 7500 Besucher, um sich Schloss Burg anzusehen.[136] 1908/1909 waren es bereits 100.000 Besucher.[137] Lieder und vor allem zahlreiche Gedichte entstanden aus Anlass des Wiederaufbaus und als Ehrung des geschichtsträchtigen Ortes.[138] Noch zahlreicher sind die Gemälde, Zeichnungen und Postkarten mit Darstellungen von Schloss Burg. Beginnend mit der ältesten überlieferten Abbildung von Johann Pauls aus dem Jahr 1689 über die Ploennies-Vorlage für den Wiederaufbau 1715 und die Rekonstruktionszeichnungen des Architekten Gerhard August Fischer bis zu den 1987 entstandenen Aquarellen Walter Wohlfelds, sind die letzten 300 Jahre Burggeschichte im Bild dargestellt. Sie zeigen die Anlage als Halb- und Komplettruine, die einzelnen Phasen des Wiederaufbaus und den rekonstruierten Zustand danach. Die Werke sind so zahlreich, dass das Bergische Museum dieser Thematik eine eigene Ausstellung widmete. Für Schloß Burg in der Kunst trug der Schlossbauverein eine Auswahl von etwa 60 künstlerischen Darstellungen der Anlage in verschiedensten Techniken zusammen, darunter ÖlgemäldeRadierungenLithografien, Aquarelle und Zeichnungen.[139]

Literatur

Hauptliteratur

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