SchlossBurg1

18:02:40594Schloss Burg (auch Schloss Burg an der Wupper) ist eine ab dem späten 19. Jahrhundert rekonstruierte Höhenburg im Solinger Stadtteil Burg an der Wupper. Die Anlage war seit dem 12. Jahrhundert die Stammburg der Grafen und späteren Herzöge von Berg und ist heute das Wahrzeichen des Bergischen Landes.[1] Zugleich ist sie eine der größten Burgen Westdeutschlands und die größte rekonstruierte Burganlage in Nordrhein-Westfalen.

Im Hochmittelalter war sie eines von vier Zentren der Grafschaft Berg und fungierte als Hauptresidenz der Grafen von Berg, verlor diese Position erst 1380 unter Wilhelm II. von Berg an Düsseldorf. Schloss Burg wurde von der unterdessen in den Herzogsstand erhobenen Herrscherfamilie anschließend noch als Jagdschloss genutzt, ehe in den 1660er Jahren Schloss Benrath vor den Toren Düsseldorfs gebaut wurde. Infolge des Dreißigjährigen Krieges geschleift und bis 1807 nur noch als Sitz eines bergischen Kellners und Richters genutzt, verfiel die Anlage immer mehr und verkam zu einer Ruine. 1887 gründete sich ein Verein zu ihrer Erhaltung, der schon bald den Wiederaufbau der Burg zu seinem Vereinsziel machte. Durch Spenden, Lotterieerlöse, Unterstützung durch den Rheinischen Provinziallandtag, den Bergischen Geschichtsverein und das deutsche Kaiserhaus konnten die von 1890 bis 1914 dauernden Wiederaufbauarbeiten finanziert werden.

Heute wird Schloss Burg zu vielfältigen kulturellen Zwecken genutzt, unter anderem als Museum, Veranstaltungsort und Gedenkstätte. Eigentümer der am 2. Oktober 1984[2] unter Denkmalschutz gestellten Anlage sind die Städte Solingen, Remscheid und Wuppertal. Der Schlossbauverein Burg an der Wupper fungiert als Betreiber.

 

Anfänge                                      Sluminsky-Terminierungen

Im ersten Drittel des 12. Jahrhunderts ließ Graf Adolf II. von Berg auf den Fundamenten einer älteren Befestigung am heutigen Standort eine neue Burg errichten.[3][4] Das genaue Datum des Baus ist nicht überliefert, soll aber in einer nicht mehr aufzufindenden Urkunde des Klosters Altenberg gestanden haben.[5] Baugeschichtliche Untersuchungen konnten die Gründungszeit der Anlage lediglich auf den Zeitraum um 1150 eingrenzen.[6] Vermutlich war sie aber schon 1133 fertiggestellt, denn in jenem Jahr zogen Zisterzienser in die alte Stammburg der Familie, die Burg Berge in Odenthal-Altenberg an der Dhünn, die Adolf II. dem Orden zuvor geschenkt hatte. Der alte Stammsitz hatte für seine Familie an Bedeutung verloren, weil sich durch Gebietszuwachs der Schwerpunkt ihrer Herrschaft in Richtung Westfalen verschoben hatte und die Burg Berge somit nur noch am Rande der Grafschaft Berg lag. Zur Unterscheidung von der alten Burg an der Dhünn wurde die rund 20 Kilometer entfernt gelegene Anlage über der Wupper in ihrer Anfangszeit „neue Burg“, „neuer Berg“ und „Festung auf dem neuen Berg“ (novum castrum, novus mons und novi montis castrum) genannt.[7][8] Sie war wesentlich kleiner als die heutige Anlage und lag am nördlichen Ende des heutigen Burgareals.[9] Sie hatte vermutlich den Umfang der heutigen Kernburg[3] und bestand aus einem Bergfried, einem Palas und einigen Wirtschaftsgebäuden, die sich um einen inneren Burghof gruppierten. Der Hauptturm der Burg war durch eine Schildmauer an der Ostseite besonders geschützt. Davor befanden sich mehrere vorgelagerte Gräben, welche die Anlage an der überhöhten Angriffsseite zusätzlich schützten.

Im Jahr 1160 wurde der neue Stammsitz als novo monte gemeinsam mit der dazugehörigen Pankratiuskapelle erstmals urkundlich genannt.[10] Im selben Jahr teilte Adolf II. seine Grafschaft und gab sie an seine Söhne weiter. Während Eberhard die Grafschaft Altena erhielt, trat Engelbert I. Adolfs Nachfolge als Graf von Berg an, womit auch die „neue Burg“ an ihn fiel. Er ermöglichte den Johannitern um 1170,[4] eine Kommende bei der Burg zu gründen, indem er dem Orden die Burgkapelle übertrug. In der Zeit von 1311 bis 1553 waren stets sechs Geistliche der Johanniter auf der Burg präsent.[11] Engelbert I. starb im Juli 1189 während seiner Beteiligung am Dritten Kreuzzug und ihm folgte sein Sohn Adolf III. als Herzog nach. Auch er starb auf einem Kreuzzug im Jahr 1218 bei Kämpfen vor Damiette in Ägypten. Eigentlich hätte ihm Heinrich, der Mann seiner Erbtochter Irmgard, als Herzog und Burgbesitzer folgen müssen, doch Adolfs jüngerer Bruder Engelbert, der Erzbischof von Köln, riss die Herrschaft an sich.

Residenzburg

 
Erzbischof Engelbert von Köln machte Schloss Burg zur Hauptresidenz der Grafen von Berg; Reiterstatue von Paul Wynand, 1925

Als Kölner Erzbischof, Vertrauter und Reichsverweser im Dienste Kaiser Friedrichs II. sowie als Vormund des späteren Königs Heinrich VII. war Engelbert einer der mächtigsten Männer im Reich. Er ließ die Burg in der Zeit von 1218 bis 1225 erheblich erweitern und machte sie zur Hauptresidenz seiner Familie. Die alte Anlage konnte den Repräsentationsaufgaben und der großen Hofhaltung Engelberts sowie den gestiegenen Ansprüchen an Wohnkomfort nicht mehr genügen. Deshalb ließ der Burgherr unter anderem einen neuen zweistöckigen Saalbau errichten, für den die innere Ringmauer teilweise abgerissen wurde, und die Burg durch Zwinger- und Vorburgmauern verstärken. Außerdem entstand eine neue Burgkapelle. Vermutlich wurde unter ihm auch die einstige Handwerkersiedlung, die sich im Schutze der Burg entwickelt hatte, durch eine äußere Ringmauer geschützt.[3] Im Laufe der Zeit hatten sich dort auch Burgmannen niedergelassen, sodass der Flecken seinerzeit wohl um die 500 Bewohner hatte.[12] Aus ihm entwickelte sich der heutige Ortsteil Oberburg. Er wurde im 13. Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnt, war aber vermutlich bereits im 12. Jahrhundert entstanden.[13] Seit 1363 ist er als Freiheit bezeugt.[13]

Engelbert II. hatte zahlreiche Widersacher und wurde nach einer missglückten Streitvermittlung am 7. November 1225 auf einer Reise nach Schwelm, wo er die dortige Kirche einweihen wollte, in einem Hohlweg bei Gevelsberg von seinem Neffen Friedrich von Isenberg erschlagen.[14] Mit ihm starb das bergische Grafengeschlecht im Mannesstamm aus. Der zuvor entmachtete Heinrich von Limburg wurde nun Graf von Berg. Sein Enkel Adolf V. nahm 1288 während des Limburger Erbfolgestreits an der entscheidenden Schlacht von Worringen teil. Nach dem Sieg der Brabanter Koalition wurde der Verlierer, der Kölner Erzbischof Siegfried von Westerburg, 13 Monate lang auf Schloss Burg gefangen gehalten. Erst nach Zahlung eines hohen Lösegeldes und zahlreichen Zugeständnissen an das bergische Grafenhaus wurde er am 8. Juli 1289[15] auf freien Fuß gesetzt. Adolf V. hatte nun freie Hand, eine Stadt unter seiner Kontrolle am Rhein zu gründen: Düsseldorf, das später unter seinen Nachfolgern zur bevorzugten Residenz werden sollte.

Nach dem kinderlosen Tod Adolfs VI. von Berg fielen Grafschaft und Burg 1348 über seine Nichte Margarete von Ravensberg-Berg an deren Ehemann Gerhard I. von Jülich-Berg. Unter dessen Sohn Wilhelm II. wurde die Grafschaft 1380 von König Wenzel zum Herzogtum erhoben. Bis zu jenem Zeitpunkt hatte die Burg zu den bevorzugten Aufenthaltsorten Wilhelms gehört, nach seiner Erhebung in den Herzogsstand wandte er sich aber mehr seiner Residenz in Düsseldorf zu,[16] die er in den Folgejahren weiter ausbaute. Burg verlor seine Bedeutung als Residenz des bergischen Herzoghauses und gewann diese auch nie wieder zurück.

Jagdschloss und Witwensitz                                                    

 
Die bisher älteste bekannte Ansicht des Schlosses von Landmesser Johann Pauls, 1689

Die Anlage wurde aber nicht vollständig aufgegeben, sondern diente weiterhin als Sitz des bergischen Kellners, der von dort die umliegenden herzoglichen Besitzungen verwaltete. Schon für das Jahr 1301 ist ein bergischer Kellner auf Schloss Burg verbürgt.[17] Er nahm dort nicht nur verwaltungstechnische Aufgaben wahr, sondern fungierte auch als Richter für die Burg und das Amt Bornefeld.[18] Außerdem nutzen die Herzöge von Berg die Anlage weiter als Jagdschloss und für zeremonielle Zwecke. Um 1500[19] ließ Wilhelm von Jülich-Berg den Palas genannten Saalbau durch seinen Amtmann Johann von Stynen[20] aus- und umbauen, um eine standesgemäße Beherbergung der zahlreichen Gäste bei Jagden und Feiern gewährleisten zu können. Die schmalen Lichtschlitze des Baus wurden durch größere Fenster ersetzt, und der Ausbau des Dachgeschosses zu Gästezimmern stellte einen hohen Wohnkomfort sicher. Außerdem war die Schlossküche im Erdgeschoss des Palas zu klein geworden und wurde nach Süden um etwa vier Meter[21] verlängert. Den Anbau ließ von Stynen nicht nur im Erdgeschoss vornehmen, sondern gleich über die gesamte Höhe des Palas ausführen. Die Lage der alten Außenmauern ist im Inneren durch Bogenstellungen zu erkennen. Viele neue und dekorative Gestaltungsmerkmale wie zum Beispiel Fachwerkaufbauten, Erker und Türmchen lockerten das zuvor strenge, militärische Äußere der Anlage auf und verwandelten die Burg allmählich in ein Schloss. Ab jenem Umbau bürgerte sich entsprechend die Bezeichnung „Schloss“ für die Anlage ein, während für die umliegende Siedlung der Name Burg beibehalten wurde. Daraus resultiert der heutige Name der Anlage: Schloss Burg.[22] Zu den zahlreichen Festlichkeiten, die in Burg begangen wurden, gehörte die Kinderverlobung auf Schloss Burg: Am 25. September 1496 wurde das einzige Kind Wilhelms von Jülich-Berg, die fünfjährige Maria, bei einer Kinderverlobung dem sechsjährigen Johann dem Friedfertigen von Kleve-Mark versprochen.[23] Mit der Hochzeit der beiden, die am 1. Oktober 1510 in Düsseldorf gefeiert wurde, kam es zur Bildung der Vereinigten Herzogtümer Jülich-Kleve-Berg.

Nachdem die Düsseldorfer Residenz der bergischen Herzöge am 23. Dezember 1510 das Opfer eines Brandes geworden war, wohnte Herzogin Maria mit ihren drei Töchtern Sybille, Anna und Amalia geraume Zeit auf Schloss Burg.[24] Am 8. September 1526 wurde Sybille dort mit dem zukünftigen sächsischen Kurfürsten Johann Friedrich I., dem Großmütigen, verlobt. Die jüngste Tochter Amalia blieb unverheiratet und nutzte in späteren Lebensjahren Schloss Burg als Rückzugsort. Weil sie standhaft den lutherischen Glauben vertrat, brachte sie dies in Konflikt mit ihrem zunehmend katholischer werdenden Bruder Wilhelm V., dem Reichen,[25] der 1539 nach dem Tod seines Vaters Herzog geworden war. Seine Mutter Maria erhielt Schloss Burg am 20. Februar 1539 als Witwensitz zugewiesen.[25]

Niedergang, Zerstörung und Verfall

Nachdem Herzog Johann um 1528 noch Arbeiten an der Burg hatte ausführen lassen, hatte sein Sohn Wilhelm der Reiche als Nachfolger einen anderen Fokus. Er ließ vor allem am Niederrhein Festungen und Residenzen auf- und ausbauen. Arbeiten an Schloss Burg sind erst wieder für die Zeit von 1573 bis 1605 verzeichnet, als Wilhelm von Scheid, genannt Weschpfennig, als Amtmann im Schloss saß.[20][26] Unter anderem wurde gegen Ende des 16. Jahrhunderts ein Geschützturm errichtet.[3] 1609 starb Wilhelms geisteskranker Sohn Johann Wilhelm ohne Nachkommen. Im Zuge des folgenden Jülich-Klevischen Erbfolgestreits besetzte Wolfgang Wilhelm von Pfalz-Neuburg 1614 Schloss Burg.[13] Er einigte sich mit dem Kurfürsten Georg Wilhelm von Brandenburg auf die Teilung Jülich-Kleve-Bergs, wobei Wolfgang Wilhelm die Territorien Jülich und Berg erhielt.

 
Schloss Burg auf einer Zeichnung von Erich Philipp Ploennies, 1715

Während des Dreißigjährigen Kriegs belagerten im Herbst 1632 schwedische Truppen unter General Baudissin die Anlage, als sie eine kaiserliche Besatzung hatte. Die Schweden konnten Schloss Burg aber nicht erobern. Dennoch wurde es durch Brandsätze und Geschützkugeln schwer beschädigt.[27] Als im Februar 1641 der kaiserliche Oberst Otto Christoph von Sparr Schloss Burg angriff und einnehmen konnte, war es von hessischen Truppen besetzt.[28] Nach dem Friedensschluss 1648 schleiften die Kaiserlichen unter ihrem Kommandanten Heinrich von Plettenberg vor ihrem Abzug große Teile der Anlage. Dabei wurden nicht nur die wehrhaften Teile wie Bergfried, Geschützturm, befestigte Tore und Mauern niedergelegt, sondern nach einem Bericht aus dem Jahr 1692[29] auch „Pferdestall, Backhauß und Brauhauß, also daß nichts mehr unter Dach stehet als das hohe Gebew“.[30] Sogar die Johanniterkirche wurde zerstört.[31] Außer dem Diebsturm und einigen Wirtschaftsgebäuden stand am Ende des 17. Jahrhunderts nur noch der notdürftig wiederhergestellte Palas, der weiterhin als Kellnerei diente. Auf einer Ansicht des Schlosses, die der Kartograf Erich Philipp Ploennies im Jahr 1715 anfertigte, ist die Anlage bereits ohne Bergfried und äußere Ringmauer dargestellt. Die auf der Zeichnung zu sehenden Fachwerkaufbauten wurden bis spätestens 1729 entfernt.[32]

 
Schloss Burg als Ruine, Lithografie von Peter Joseph Heinrichs, um 1850

Noch bis 1807 blieb Schloss Burg Sitz der herzoglichen Rentmeister. Nachdem aber der Wittelsbacher Maximilian I. Joseph, König von Bayern, 1806 das Herzogtum Berg gegen das von Napoleon annektierte Fürstentum Ansbach getauscht hatte, wurden im Großherzogtum Berg die Verwaltungsstrukturen nach französischem Vorbild neu geordnet. Durch diese Reform wurde der letzte Verwaltungsbeamte 1807 von dort abgezogen, und die Anlage verlor ihre administrative Funktion.[33] Die französische Regierung versuchte, sie 1811 meistbietend zu versteigern, fand aber keinen Käufer.[33] Als das Großherzogtum Berg nach dem Wiener Kongress an das Königreich Preußen fiel, kam Schloss Burg 1815 in den Besitz des preußischen Fiskus. Auch er versuchte vergeblich, die Anlage in den 1820er Jahren zu verkaufen.[34] Die noch erhaltenen Gebäude wurden zunächst als Fabrik genutzt, in der Gewehrläufe gezogen wurden.[34] Dann dienten sie als Rossmühle und Wollspinnerei. Außerdem wurden die verlassenen Schlossbauten durch eine Deckenfabrik genutzt, in der die bekannten Burger Scharzen hergestellt wurden. Dies waren Decken, die aus Leinen und gesponnenem Rinderhaar bestanden. Der Volksmund nannte Schloss Burg deshalb auch Schaazenborg (Scharzenburg). Ab 1839 war in den übrigen Räumen die erste Schule des Ortes untergebracht.[35][34] Wegen des schlechten baulichen Zustands musste der Schulbetrieb dort aber eingestellt und auf dem Burgareal 1845[36] ein neues Schulhaus errichtet werden. Zuletzt wurde der Palas als Scheune genutzt.[37]

1849 verkaufte Preußen das Schloss auf Abbruch. Mitte des Jahres demontierte man das Dach und den Eichendachstuhl des Palas, um das mit 75 Talern[38] bewertete Material beim Bau des Elberfelder Landgerichts (heute Wuppertal) zu verwenden. Ungefähr zur gleichen Zeit wurden die bis dahin noch stehenden, nachmittelalterlichen Stall- und Wirtschaftsgebäude an der westlichen, inneren Ringmauer zwischen innerem Torbau und Diebsturm niedergelegt. Ab diesem Zeitpunkt verfiel der restliche Baubestand fast vollständig und wurde zur Ruine. Ein Übriges taten die Bewohner der Umgebung, die das Schloss als Steinbruch nutzten.[39]

Wiederaufbau ab 1890

 
Die Palasruine um 1887
 
Wiederaufbauarbeiten 1890

1887 waren von der ehemals großen Burganlage nur noch einige Außenmauern des Palas, ein ruinöses inneres Torhaus, Teile der Schildmauer sowie der Diebsturm und eine daran anschließende Mauer erhalten.[32] Unterdessen wurden in der Bevölkerung Stimmen laut, die sich für den Erhalt der verbliebenen Reste einsetzten. Im Dezember 1886 traf sich unter der Federführung des Wermelskirchener Fabrikanten Julius Schumacher ein erstes „Komitee zur Erhaltung der Schloßruine zu Burg an der Wupper“, dem am 3. August 1887 die Gründung des „Vereins zur Erhaltung der Schloßruine zu Burg a. d. Wupper“ (ab 1897 „Schloßbauverein Burg an der Wupper“) folgte.[40][41] Der hatte anfangs lediglich die Sicherung der Burgruine zum Ziel und wurde dabei vom Bergischen Geschichtsverein unterstützt. Schon bald trat jedoch das Ziel eines Wiederaufbaus in der Vordergrund, denn der aus Barmen stammende Architekt Gerhard August Fischer hatte die Gründungsversammlung mit einer Fülle von detaillierten Zeichnungen, Plänen und Entwürfen für eine Rekonstruktion begeistern können.[41] Fischers Wiederaufbaupläne, für die er anfänglich 100.000 Mark veranschlagte,[42] fanden auch beim damaligen Provinzialkonservator Paul Clemen Zuspruch.[43] 1888 wurden erste Entschuttungsarbeiten und Ausgrabungen im Burghof durchgeführt, bei denen unter anderem die unter einem Hügel aus Erde und Schutt verborgenen Bergfriedfundamente wieder freigelegt wurden.[44] Ab 1890 erfolgte dann ein allmählicher Wiederaufbau durch den Schlossbauverein nach Fischers Plänen, die eine Mischung aus Rekonstruktion nach historischen Vorbildern und Grabungsergebnissen sowie phantasievollen Eigenkreationen waren. Schloss Burg sollte als „bergisches Nationaldenkmal“ wiederauferstehen.[45] Die ersten Bauarbeiten begannen am 12. April 1890[46] am inneren Burgtor, dessen Einweihung am 13. August 1890 gefeiert wurde.[47] Anschließend erfolgte die Wiederherstellung der sich nördlich anschließenden Wehrmauer samt Wehrgang. Eine ursprünglich von Fischer angedachte Rekonstruktion des alten romanischen Palas der Anlage erfolgte zwar nie, aber im Frühjahr des Jahres 1891 begann die Rekonstruktion des zweigeschossigen Saalbaus aus dem 13. Jahrhundert. Am 22. August desselben Jahres konnte bereits Richtfest gefeiert werden, und nur drei Monate später fand am 21. Oktober die Einweihungsfeier statt.[48] Im darauffolgenden Jahr erfolgte der Bau des Kapellenflügels mit der neugotischen Burgkapelle. Ihre feierliche Einweihung fand am 10. August 1892 statt.[48] Hatten die Arbeiten 1890 mit 13.290,50 Mark zu Buche geschlagen, kosteten sie 1891 schon 25.490,64 Mark und fanden 1892 mit 46.399,23 Mark ihren vorläufigen Höhepunkt.[49] Das Jahr 1893 brachte der Verein damit zu, die Lücken in der inneren Ringmauer zu schließen und die dicke Schildmauer im Osten wiederaufzubauen, was Kosten in Höhen von 38.730,33 Mark verursachte.[50] Bis zum Sommer 1894[51] wurde die Ecke zwischen dem mittlerweile Palas genannten Saalbau und dem Kapellenflügel geschlossen, sodass sich die Gesamtkosten des Wiederaufbaus bis Ende des Jahres auf rund 200.000 Mark summiert hatten.[50] 135.000 Mark entfielen allein auf den Palas,[50] in dem noch 1894 ein erstes Museum eingerichtet wurde. Anschließend erlahmten die Wiederaufbauarbeiten ein wenig, denn dem Verein war vorläufig das Geld ausgegangen. 1895 konnte noch die Schildmauer samt ihrem Wehrhaus fertiggestellt werden. Gleiches gilt für die der Fantasie Fischers entsprungene Nordterrasse, die der Kernburg von 1892 bis 1895[52] an der Nordseite angefügt wurde. Anschließend ruhten die Bauarbeiten fast vollständig.

 
Rekonstruktionszeichnung von Gerhard August Fischer, 1891

1899 erhielten die Aktivitäten der Schlossbauvereins neuen Schwung, denn am 12. August des Jahres besuchte Kaiser Wilhelm II. Schloss Burg und stellte aus seinem Dispositionsfonds 20.000 Mark für den Wiederaufbau zur Verfügung.[53][54] Die Spenden aus den Reihen bergischer Fabrikanten flossen nun wieder üppiger, und so konnte noch im selben Jahr der Mitte Mai[55] begonnene Rohbau des Zwingertors beendet werden.[51] Der Wuppertaler Bankier August von der Heydt stiftete anlässlich des Kaiserbesuchs einen Marmorbrunnen und eine Bronzestatue Adolfs I. von Berg, die am Fuße der großen Palasfreitreppe aufgestellt und am 20. September 1902[51] eingeweiht wurden. Bereits im Frühjahr des Jahres 1900 war mit Wiederaufbauarbeiten am Bergfried begonnen worden. Seine freigelegten Fundamentreste im Burghof waren noch 1,5–2 Meter hoch.[56] Gerhard August Fischer plante eigentlich, den Turm als offene 17 Meter[57] hohe Ruine zu rekonstruieren, doch der Schlossbauverein wollte seinen vollständigen Wiederaufbau. Bereits Ende 1901 waren die Arbeiten so weit fortgeschritten, dass der Turm schon ein Dach besaß. Weil der verwendete Trassmörtel bei den winterlichen Temperaturen aber nicht schnell genug trocknete und aushärtete, stürzte der Bergfried bei einem Sturm am 5. Januar 1902 an der Nordwestecke zum Teil ein.[58] Das Unglück war Anlass für Fischers Ausscheiden aus den Diensten des Schlossbauvereins. Sein Nachfolger wurde der Berliner Architekt Wilhelm Blaue, der allerdings erst im März 1903 seinen Dienst antrat.[51] Der Bergfried wurde mit einer anderen Technik und durch Maueranker verstärkt wiederaufgebaut. Seine endgültige Fertigstellung erfolgte 1904, die Bauspuren der durch den Sturm verursachten Lücke sind allerdings bis heute gut im Mauerwerk zu erkennen. Unter Blaue kam es bis 1904 auch zum Bau des sogenannten Pferdestalls, einem Wohnhaus, das sich dem 1899 begonnenen Zwingertor im Süden der Anlage anschloss. Blaues Nachfolger, der bis 1908 in Burg tätige Architekt Lauterjung, sah sich der Aufgabe gegenüber, die Instabilität der zweigeschossigen Schildmauer zu beheben. Die Mauer neigte sich mittlerweile stark nach außen zur Grabenseite, sodass sich Lauterjung dazu gezwungen sah, das Wachhäuschen und das oberste Geschoss abzutragen. Zusätzlich wurde die Mauer um 1905[59] durch eine überdachte Steinbrücke mit dem Bergfried verbunden.

Bis 1910 betrugen die Gesamtkosten für den Wiederaufbau von Schloss Burg inklusive Innendekoration mehr als 1,3 Millionen Mark.[51] Auf Empfehlung Paul Clemens trat 1910 der ehemalige Straßburger Dombaumeister Ludwig Arntz die Stelle als Schlossbauarchitekt an.[60] Unter ihm wurde der Wiederaufbau des Grabentors begonnen, dessen Rohbau am 29. Juli 1911[51] fertig war. Ab 1912 trug Arntz auch für die Wiederherstellung des Johannitertors an der Nordwestecke des Burgbereichs Sorge und leitete den Bau des sogenannten Mitteltors, das wegen der nur geringen Funde bei einer vorausgehenden Grabung nicht nach historischen Vorbildern, sondern dem Zeitgeschmack entsprechend rekonstruiert wurde.[61] Als letzter Bauabschnitt wurde der neben dem Mitteltor stehende Batterieturm errichtet. Er fiel wesentlich größer aus als sein historischer Vorgänger, der nicht nur kleiner gewesen war, sondern auch weiter östlich gestanden hatte. Die Abweichung vom Original resultierte aus einem Fehler Arntzʼ, der die Trittspuren von Eseln rings um eine Mühle am heutigen Turmstandort fehlinterpretierte.[60]

Ab 1914

Der Erste Weltkrieg setzte allen Bautätigkeiten vorläufig ein Ende, sodass der Batterieturm lange Zeit nur im Rohbau bestand. Das Grabentor wurde während des Krieges schwer beschädigt, aber nach Kriegsende wiederaufgebaut und zum Teil zu Wohnraum umgestaltet.[62] Am 13. Dezember 1918[63] bezogen britische Besatzungstruppen in der Burg Quartier.

In der Nacht vom 25. auf den 26. November 1920[64] brannten die Dachgeschosse großer Teile der Anlage völlig aus. Dabei wurden der Palas, die Kemenate, das innere Torhaus, das Zwingertor und der Kapellenflügel in Mitleidenschaft gezogen. Der Bestand des Bergischen Museums, das seit 1911 neun Räume im Dachgeschoss der Anlage belegte, wurde dabei vollständig vernichtet. Unter den zerstörten Exponaten waren zum Beispiel zwölf wertvolle Holzskulpturen vom ehemaligen Hochaltar des Altenberger Doms, die Evangelisten und Heilige darstellten.[65] Um den unbeschädigten Baubestand zu schützen, wurde sofort ein Notdach errichtet. Es sollte aber bis November 1923 dauern, ehe alle Schäden an den Gebäuden beseitigt waren.[63] Der Wiederaufbau wurde von einer Welle der Hilfsbereitschaft getragen. Erlöse aus Eintrittsgeldern und neue Spendensammlungen brachten die enorme Summe von 550.000 Mark für die Reparaturen und Neueinrichtung des Museums ein.[66] Das neue Dachgeschoss wurde allerdings in vereinfachten Formen errichtet, was auf den deutlich gewandelten, sachlicheren Zeitgeschmack zurückzuführen war.[67] Auf das Schmuckfachwerk wurde ebenso verzichtet wie auf Turmaufbauten mit spitzen Helmen oder gestaffelte Gauben. Die Bauarbeiten endeten 1925 mit der Fertigstellung des neu errichteten Engelbertturms an der Nordseite der inneren Ringmauer. Im selben Jahr zog die bis dahin im Grabentor beheimatete Jugendherberge in ein neues Domizil um. Die Museumsarbeit wurde erst 1927 unter der Leitung des Malers Erich Hasenclever wieder aufgenommen.[65]

 
Batterie- und Glockenturm gehören seit den 1950er Jahren zu einer Gedenkstätte

Während des Zweiten Weltkriegs blieb Schloss Burg größtenteils unversehrt, nur ein Luftangriff am 4. November 1944[63] beschädigte die Anlage vergleichsweise leicht. Bei der Beseitigung der entstandenen Schäden 1948 stellte der beauftragte Architekt F. Heyder aber fest, dass die Holzbalkendecken des Bergfrieds durch eindringendes Wasser ruiniert worden waren. Sie wurden in der Folgezeit durch moderne Betondecken ersetzt. Nach Heyder übernahm der Regierungsbaumeister Ernst Stahl die architektonische Leitung auf Schloss Burg. Eine seiner ersten Amtshandlungen war 1950 die Restaurierung der Historiengemälde im Rittersaal. Unter ihm wurde auch der im Rohbauzustand verbliebene Batterieturm in den Jahren 1950 und 1951 zu einer Gedenkstätte in Erinnerung der Kriegsvertriebenen ausgebaut. Ihre Einweihung fand am 21. Oktober 1951 durch Bundespräsident Theodor Heuss statt.[68] Die Gedenkstätte wurde 1956 durch einen Glockenturm neben dem Batterieturm ergänzt. Dessen feierliche Einweihung fand am 21. Oktober des Jahres statt.[69] Weitere Ergänzungen und Ausbauten in den 1950er Jahren dienten vor allem der besseren touristischen Erschließung. Dazu gehörte 1954 der Bau eines Parkplatzes an der Südseite der Burg, die Einrichtung neuer Toilettenanlagen, die Modernisierung des Abwassersystems und der Bau von Fachwerkbauten im Zwingerhof, um dort Geschäfte unterzubringen. Bei Erdausschachtungen zwecks Erweiterung des Küchenbaus für das Burgrestaurant machten die Arbeiter am 3. November 1952 einen aufsehenerregenden Münzfund:[70] Versteckt unter vier großen Feldsteinen wurden in einem alten Krug 208 Denare gefunden. Die Silbergroschen mit dem Bild des Kölner Erzbischofs wurden Anfang des 13. Jahrhunderts geprägt und um das Jahr 1210 im Burghof vergraben.[71]

Bis 1962 bestand das Bergische Museum im Dachgeschoss des Palas aus einer Abfolge von herrschaftlichen Wohn- und Schlafräumen. Dann wurde die Ausstellung vollständig umkonzipiert. Ab 1985 ließ die Museumsleitung grundlegende Restaurierungen und Rückbauten in den Museumsräumen vornehmen.[68] Von Mai bis Juni 2005 fand im Zuge von Bausicherungsmaßnahmen an der Nordterrasse eine archäologische Untersuchung statt.[72] Dabei wurden zwei Baugruben ausgehoben, sodass erstmals seit dem Wiederaufbau Ende des 19. Jahrhunderts die Burgmauer im Bereich des Nordhofes untersucht werden konnte. Die Ergebnisse bestätigten eine These des Architekten Gerhard August Fischer aus dem Jahr 1887/88, der die dort aufgefundenen Mauerreste als Bestandteil des ersten Palas des Erbauers Graf Adolf II. bezeichnete. Zu den Funden der Ausgrabung zählten Keramikscherben aus dem 12./13. und 14./15. Jahrhundert[73] sowie Knochenfragmente, die Auskunft über den damaligen Speiseplan gaben. Nachdem zu Beginn der 2010er Jahre ein umfassender Sanierungs- und Modernisierungsbedarf für die Gesamtanlage festgestellt worden war, werden diese Arbeiten seit 2014 durchgeführt. Bis 2021 sollen sie abgeschlossen sein.[74] Die Kosten dafür werden auf rund 32 Millionen Euro geschätzt.[75] Zuvor war schon mit einer punktuellen Maßnahme der Batterieturm von November 2009 bis Mai 2010 für 250.000 Euro saniert worden.[76]

Beschreibung

Lage und Umgebung

Schloss Burg steht im Westen des Burger Ortsteils Oberburg etwa 100 Meter[5] über der Wupper auf einem Bergsporn an der Einmündung des Eschbachs. Oberburg ist seit dem 31. Mai 1952[77] durch die Seilbahn Burg mit dem Ortsteil Unterburg verbunden. Die Bergstation der Luftseilbahn befindet sich im Westen des Burggeländes im Bereich der einstigen Burgfreiheit. Wanderwege führen in die umgebenden Wälder, nach Unterburg und Oberburg sowie entlang der Wupper zum 2006 eröffneten Park unter der Müngstener Brücke.

Der Burgfelsen fällt an drei Seiten steil zur Wupper ab, lediglich von Osten ist ein einfacher Zugang zur Burg möglich. Entsprechend war die Anlage seit dem Mittelalter an dieser gefährdeten Seite mit mehreren hintereinanderliegenden Gräben gesichert. Der damalige Burggraben befand sich dort, wo heute die Burgtalstraße verläuft. Schloss Burg ist somit eine Spornburg, eine Höhenburg in Spornlage.

Architektur

 
Schematischer Lageplan von Schloss Burg

Schloss Burg ist eine der größten Burgen Westdeutschlands und die größte rekonstruierte Burganlage in Nordrhein-Westfalen.[78][79] Sie besteht heute aus der ehemaligen Kernburg im Osten, einem nördlich und westlich davon gelegenen Vorburgbereich sowie dem Bereich der ehemaligen Burgfreiheit ganz im Westen. Das gesamte Areal ist als Denkmalbereich geschützt. Neben anderen Bauten stehen Schloss Burg, die ehemalige Johanniterkirche nebst zugehörigem Friedhof, das Pfarrhaus inklusive des Johannitertors und das ehemalige Schulhaus (heute Besucherzentrum) zusätzlich als Einzeldenkmale unter Denkmalschutz.[80][81] Zugang zur Gesamtanlage gewährt eine große Doppeltoranlage im Südosten. Früher gab es noch eine Pörtschen genannte Schlupfpforte[13] an der Westseite und das Johannitertor an der Nordwestecke. Zu letzterem führt heute noch ein steiler Weg vom Ortsteil Unterburg.

Die Gebäude besitzen mehrheitlich unverputztes Bruchsteinmauerwerk aus der anstehenden Grauwacke. Für Fenster- und Türeinfassungen sowie für die Eckquaderungen wurde auf höherwertige Steinarten zurückgegriffen. An einigen Stellen im schiefergedeckten Dachgeschoss des Palas gibt es noch Reste von Zierfachwerk.

Doppeltoranlage und Burgfreiheit

Eine kleine Bogenbrücke führt über den früheren Graben zum Grabentor. Es ist das Außentor einer großen Doppeltoranlage und besitzt ein Fallgatter. Nachdem der Besucher das Tor passiert hat, steht er in einem kleinen Hof (Zwingerhof), an dessen Westende ein zweites Tor steht: das Zwingertor. Sein spitzbogiger Durchgang ist durch einen darüberliegenden Wehrerker geschützt. Dem Zwingertor schließt sich nach Süden der sogenannte Pferdestall an. Dabei handelt es sich um einen zweigeschossigen Fachwerkbau auf einem hohen Sockel aus Bruchstein. Während im Erdgeschoss Stallungen untergebracht waren, diente das Obergeschoss zu Wohnzwecken. Das Gebäude entstand nach Entwürfen Gerhard August Fischers, der das Obergeschoss ursprünglich als repräsentative Wohnung für den deutschen Kaiser konzipiert hatte.[82] Der Pferdestall ist über ein verschiefertes Wohnhaus mit dem Grabentor verbunden.

Hinter dem Zwingertor erreicht der Besucher den Bereich der ehemaligen Burgfreiheit, die früher von einer äußeren Ringmauer aus dem 13. Jahrhundert eingefasst war. Zur Burgfreiheit gehört neben neuzeitlicher Bebauung auch das Johannitertor, dessen unterer Teil noch auf das Mittelalter zurückgeht.[83] Den Namen erhielt der Bau von seinen ehemaligen Bewohnern, denn er war früher Teil der Johanniterkommende. Ab 1800 gehörte er allerdings zur Wohnung des Pfarrers der benachbarten Kirche St. Martinus,[84] die früher die Kirche der Johanniter gewesen ist. Im ehemaligen Pfarrgarten neben der Bergstation der Seilbahn steht eine etwa 250 Jahre alte Winterlinde (Tilia × europaea „Pallida“), die Kaiserlinde genannt wird.[85] Sie ist eines von insgesamt sieben Naturdenkmälern auf dem Burgareal. Neben vier weiteren Linden stehen auch eine Blutbuche und eine Rosskastanie unter Naturschutz.[86]

Ältester Teil der Kirche St. Martinus ist der romanische Ostbau vom Ende des 12. Jahrhunderts[87] mit einer lichten Breite von 8,5 Metern.[88] Ihm ist an der östlichen Stirnseite ein dreiseitiger Chor ohne Chorhaus vorgesetzt. Auf diesem steht ein mit Schieferschindeln verkleideter Chorturm, dessen spitzer achteckiger Helm von einer Wetterfahne bekrönt ist. Der Turm dient als Glockenturm, dessen zwei Glocken folgende Inschriften tragen: „EVERARDUS PETIT ME FECIT A. 1790“ und „SANCTE JOANNE BAPTISTA ORA PRO NOBIS QUEM PRAEDICASTI SALVATOREM SACRO ORDINI MELITENSI ERECTA A. 1799. ME FUDIT STÖCKY“[88] (deutsch Heiliger Täufer Johannes, bitte für uns bei dem, der von dir als Heiland vorher verkündigt wurde. Errichtet vom heiligen Malteserorden im Jahre 1799. Stöcky goss mich[89]). Der Chor besitzt ein großes Rundbogenfenster mit abfallender Sohlbank. Seine Verglasung wurde von Peter Hecker gestaltet und zeigt die heilige Dreifaltigkeit. Das Zeitgeschehen der Entstehungszeit im Jahr 1969 fließt durch die Darstellung eines stilisierten Astronauten ein. Zu beiden Seiten des Chors gibt es ein rundbogiges Fenster mit den Darstellungen des heiligen Martin und Johannes des Täufers. Durch den gesamten Ostteil zieht sich im Inneren eine romanische Säulenstellung entlang der Wände: Auf einem niedrigen Sockel erheben sich fünfzehn 1,35 Meter[88] hohe Säulen aus blauschwarzem Marmor[90] mit Eckblattbasen und feinen Blattkapitellen aus weißem Kalkstein,[11] die durch Bögen verbunden sind. 13 dieser Säulen stammen aus dem frühen 13. Jahrhundert vermutlich aus der mittelalterlichen Pankratiuskapelle oder dem Palas der damaligen Burg.[91][92] Der aus dem 17. Jahrhundert stammende Westbau ist 11,95 Meter[88] lang und aus Tuffstein errichtet. Er besitzt eine flache Decke und je drei Fenster auf den Langseiten. Einlass gewährt eine zweiflügelige Eichentür in der Mitte der westlichen Stirnseite. Sie stammt aus der Werkstatt des Hennefer Bildhauers Manfred Saul und zeigt zwei Reliefs mit aufeinanderstehenden Figuren. Über dem Portal hängt das steinerne Wappen des Johanniterordens und erinnert an die Anfänge der Kirche. An der nördlichen Außenseite des Baus stehen sechs alte Grabplatten, eine davon aus dem Jahr 1620.[93]

Vorburg

Die Vorburg war früher von einer eigenen Ringmauer umgeben. Geringe Reste ihrer Fundamente sind heute noch in der östlichen Friedhofsmauer erhalten.[94] Zur Bebauung der Vorburg gehört der wuchtige Batterieturm, der die Südwestecke des Vorburgbereichs markiert. Der Rundturm besitzt vier Meter[52] dicke Mauern und eine leicht gewölbte Mauerkrone, auf der das abgeknickte Kegeldach mit Schieferdeckung aufsetzt

 

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